Eine Havarie auf einem Flughafen mit 90 000 Litern ausgetretenem Kerosin – das war das angenommene Schadenszenario, das am Samstag, den 25.04.2026 rund 70 Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) im Rahmen einer Übung in Gütersloh zu bekämpfen hatten. Sie alle gehören zu einer Gruppe von Dekontaminationseinheiten, die die Europäische Union (EU) in Europa aufgestellt hat, um auf chemische, biologische, radiologische oder nukleare Gefahren schnell und effektiv reagieren zu können. In Deutschland besteht diese Einheit, „rescEU-CBRN-Decon-Germany“ genannt, aus Kräften des Technischen Hilfswerks (THW) und der Bundespolizei (BPOL). Unterstützt vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).
Mit Kerosin kontaminierte Straßen, Gebäude und ein Heizkraftwerk, das war die angenommene Schadenslage einer fiktiven, technischen Störung am Treibstofflager eines Flughafens. Während das nahegelegene Heizkraftwerk vollständig mit Benzin geflutet war, wurden in umgebenden Straßen, Wohnhäusern und einer Behelfsunterkunft für evakuierte Bewohner geringere, aber dennoch gesundheitsgefährdende Flugbenzinkonzentrationen angenommen.
Für die Einsatzkräfte Anlass für eine umfangreiche Dekontaminationsübung. Unter Nutzung zweier neuer Technik-Container und unter Vollschutz mit Schutzanzug und ABC-Schutzmaske, reinigten die Einsatzkräfte eine Straße sowie die Fassaden und Innenräume von Gebäuden. Dazu wurden zwei Großfahrzeuge (THW Ladekran, Lkr) mit jeweils einem der Technik-Container versehen. Eins mit einer zusätzlichen Vorrichtung zur Flächendekontamination. Etwa für Straßen. Das Zweite hob Einsatzkräfte mittels Hebebühne in rund 10 Meter Höhe, um mit Sprühlanzen Schornsteine zu reinigen. Gefordert waren von den Kräften, neben der sicheren Handhabung der Technik, vor allem auch das Wissen um die Gefahren und den Eigenschutz.
„rescEU-CBRN-Decon-Germany“ – Bevölkerungsschutz auf EU-Ebene
Die Europäische Kommission hat das EU-Katastrophenschutzverfahren aufgewertet und rescEU geschaffen, um die Bevölkerung vor Katastrophen zu schützen und neu auftretende Risiken zu bewältigen. Eine Einheit davon ist „rescEU-CBRN-Decon-Germany“.
Die Ursachen für chemische, biologischen, radiologische oder nukleare Gefahren sind dabei vielfältig. Beabsichtigt oder unbeabsichtigt. Terroranschläge, technische Unfälle, Seuchenausbrüche oder kriegerische Auseinandersetzungen, für Katastrophen dieser Art hat die Europäische Union (EU) diese Einheit aufgestellt. In Deutschland bilden „rescEU-CBRN-Decon-Germany“ rund 300 Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) und der Bundespolizei (BPOL). Unter Federführung des Technischen Hilfswerks, und mit rund 37,5 Millionen Euro vollständig finanziert durch die EU, werden Kapazitäten zur Dekontamination aufgebaut. Während das THW für die Dekontamination von Infrastrukturen, Straßen, Gebäuden sowie Fahrzeugen aller Art verantwortlich zeichnet, ist die Bundespolizei für die Dekontamination von Beweismitteln und Personen zuständig. Eine Unterstützungseinheit gewährleistet dabei die Autarkie im Einsatz und stellt die Versorgung, Unterkunft und Logistik sicher.
Ziel ist eine Einsatzbereitschaft innerhalb von 12 Stunden. Da die gesamte Einheit über Straßen an den Einsatzort gelangt, beträgt der maximale Einsatzradius 1500 Kilometer.